Ist PVA Mikroplastik? Was die EU sagt und was umstritten ist
Christian ReindlWas die EU unter Mikroplastik versteht
Seit Oktober 2023 gibt es in der EU eine Beschränkung für Mikroplastik, festgelegt in der Verordnung (EU) 2023/2055. Gemeint sind dort synthetische Polymermikropartikel: feste Kunststoffteilchen von höchstens 5 Millimetern, die sich nicht auflösen. Das bekannteste Beispiel ist loser Glitzer.
Die Verordnung nennt auch Ausnahmen. Eine davon betrifft Polymere, die sich zu mehr als 2 Gramm pro Liter in Wasser lösen. Wasserlösliche PVA-Sorten, wie sie für Folien und Pods genutzt werden, liegen darüber, das geben auch PVA-Hersteller für ihre Produkte an. Die Logik dahinter: Was sich auflöst, schwimmt nicht als Teilchen im Wasser, sondern ist gelöst, ähnlich wie Zucker im Tee.
Wird gelöstes PVA abgebaut?
Hier wird es kompliziert. PVA gehört zu den wenigen synthetischen Kunststoffen, die Mikroorganismen überhaupt verwerten können. Das schaffen aber nur bestimmte Bakterien mit passenden Enzymen. Im Labor, mit daran gewöhnten Bakterien, klappt der Abbau gut. Ob er in einer normalen Kläranlage genauso klappt, hängt davon ab, ob dort solche Bakterien leben und wie lange das Wasser in der Anlage bleibt.
Zwei Positionen stehen sich gegenüber. Forschende der Arizona State University schätzten 2021, dass in den USA bis zu 75 Prozent des PVA aus Wasch- und Spül-Pods die Kläranlagen unverändert verlassen könnten. Eine Gruppe von acht Fachleuten für Bioabbau und Abwasser hielt diese Schätzung 2023 für methodisch schwach und geht davon aus, dass PVA in Kläranlagen größtenteils entfernt wird. Eine endgültige Antwort gibt es bisher nicht.
| Frage | Was feststeht | Was offen ist |
|---|---|---|
| Mikroplastik nach EU-Recht? | Gut lösliche Polymere sind ausgenommen | nichts, die Regel ist eindeutig |
| Bleiben Folienstücke zurück? | Nein, die Hülle löst sich im Wasser auf | nichts |
| Biologischer Abbau? | Spezialisierte Mikroorganismen bauen PVA ab | wie vollständig das in Kläranlagen passiert |
Was das für deinen Aufguss heißt
Beim Saunadrop löst sich die Hülle im Aufgusswasser auf, kalt oder warm, in 2 bis 3 Minuten. Mit dem Aufguss kommt das gelöste PVA in sehr kleiner Menge auf die Steine, ein Rest Aufgusswasser landet im Abfluss. Ein Folienstück, das du wegwerfen müsstest, bleibt nicht übrig, und eine Glas- oder Plastikflasche gibt es auch nicht.
Was ich daraus nicht mache: ein Umweltversprechen. Weil der Abbau in der Kläranlage nicht abschließend geklärt ist, steht bei den Saunadrops weder „biologisch abbaubar“ noch „plastikfrei“. Sicher stimmt: kein Glas, keine Flasche, kein Abmessen, und die Hülle löst sich im Wasser auf. Wie die Drops funktionieren, zeigt die Anleitung.
Vordosierter Saunaaufguss: Jeder Drop enthält 6 ml ätherisches Öl für 1,5 Liter Aufgusswasser. Kein Abmessen, keine Glasflasche, die Hülle löst sich im Wasser auf.
Zu den SaunadropsTipp: Kipp den Rest Aufgusswasser in den Abfluss und nicht ins Beet oder in den Teich. In der Kläranlage sind die Bedingungen für den Abbau am ehesten gegeben.
Häufige Fragen zu PVA und Mikroplastik
Ist PVA-Folie Mikroplastik?
Nach der EU-Verordnung 2023/2055 zählen Polymere, die sich zu mehr als 2 Gramm pro Liter in Wasser lösen, nicht als synthetische Polymermikropartikel. Gut lösliche PVA-Sorten sind damit ausgenommen.
Ist PVA biologisch abbaubar?
Bestimmte Mikroorganismen können PVA abbauen, im Labor gelingt das gut. Wie vollständig das in normalen Kläranlagen passiert, ist umstritten: Eine US-Studie von 2021 schätzt einen großen unbehandelten Anteil, Fachleute hielten das 2023 für zu pessimistisch.
Warum steht bei den Saunadrops nicht „biologisch abbaubar“?
Weil sich das für die gelöste Hülle in der Praxis nicht sicher belegen lässt. Sicher stimmt: kein Glas, keine Flasche, und die Hülle löst sich im Aufgusswasser auf.
Wohin mit dem restlichen Aufgusswasser?
In den Abfluss, nicht ins Beet oder in einen Teich. In der Kläranlage sind die Bedingungen für den Abbau am ehesten gegeben.
Quellen: Verordnung (EU) 2023/2055 zur Beschränkung synthetischer Polymermikropartikel; Rolsky und Kelkar 2021, International Journal of Environmental Research and Public Health; Expertenbewertung von SciPinion 2023. Stand: Oktober 2026.
