Hörgeräte in der Sauna: erlaubt oder riskant? Schutz, Pflege & Tipps
Christian ReindlWarum Hörgeräte nicht in die Sauna gehören
Die Antwort ist simpel: Hörgeräte sind empfindliche Elektronik, und Saunen sind Extremumgebungen. Die technischen Datenblätter aller großen Hersteller zeigen ein einheitliches Bild. Phonak gibt für seine Audéo Modelle eine Betriebstemperatur von +5 °C bis +40 °C an. Oticon spezifiziert +1 °C bis +40 °C bei maximal 93 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, und zwar ausdrücklich "nicht kondensierend". Signia, ReSound, Widex und Starkey bewegen sich in vergleichbaren Bereichen.
Eine klassische finnische Sauna erreicht 80 bis 100 °C. Das ist mehr als das Doppelte der maximal zulässigen Betriebstemperatur. Selbst eine milde Bio Sauna mit 50 bis 60 °C überschreitet die Herstellervorgaben deutlich. Und ein Dampfbad mit seinen 40 bis 50 °C bei nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit schafft genau die Bedingungen, vor denen Oticon explizit warnt: kondensierende Feuchtigkeit.
Die Kernaussage lautet: Kein einziger Hörgerätehersteller weltweit empfiehlt das Tragen in der Sauna. Im Gegenteil, alle warnen ausdrücklich davor.
IP68 Schutzklasse: Warum sie bei Sauna versagt
Viele moderne Hörgeräte tragen stolz die Schutzklasse IP68, die höchste derzeit verfügbare. Das klingt beeindruckend und suggeriert maximalen Schutz. Aber die Realität ist komplizierter.
❓ Was bedeutet IP68 eigentlich genau?
Die erste Ziffer "6" steht für vollständigen Staubschutz. Die zweite Ziffer "8" bedeutet Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen in Süßwasser bis 1,5 Meter Tiefe für 30 bis 60 Minuten. Das klingt robust, oder? Hier kommt der Haken: Die IP Prüfung erfolgt ausschließlich mit Süßwasser bei Raumtemperatur, also etwa 20 bis 25 °C. Die Zertifizierung testet weder Hitze, noch Dampf, noch Salzwasser, noch Schweiß, noch schnelle Temperaturwechsel.
Stell dir das so vor: Ein Auto, das für 130 km/h auf der Autobahn zugelassen ist, kannst du nicht bei 260 km/h fahren und dich wundern, wenn etwas kaputtgeht. Genauso verhält es sich mit IP68 und Saunatemperaturen. Die Schutzklasse IP69, die tatsächlich Heißdampf abdecken würde, existiert bei Hörgeräten nicht.
Ein weiterer Punkt: Im Ohr Hörgeräte sind häufig noch anfälliger als Hinter dem Ohr Modelle. Sie werden individuell gefertigt, und konsistente Abdichtungen sind schwerer zu erreichen. Viele Im Ohr Geräte haben gar keine eigene IP Schutzklasse.
Was passiert mit Hörgeräten bei 80 bis 100 °C
Wenn du dein Hörgerät der Saunahitze aussetzt, laufen mehrere Schadensprozesse gleichzeitig ab. Verschiedene Materialien im Gerät, also Kunststoffgehäuse, Glasfaserschalen, Mikrochips und Lötverbindungen, dehnen sich bei Hitze unterschiedlich stark aus. Diese sogenannte differenzielle Wärmeausdehnung zerrt an den Lötstellen und kann Kontakte dauerhaft unterbrechen.
Bei Lithium Ionen Akkus beschleunigt Hitze die chemische Zersetzung erheblich. Das verkürzt nicht nur die Lebensdauer, sondern kann im Extremfall zu Auslaufen oder thermischem Durchgehen führen. Bei älteren Zink Luft Batterien droht Elektrolytaustritt, der interne Korrosion verursacht.
❓ Aber das eigentliche Hauptrisiko ist ein anderes, oder?
Genau. Das größte Problem ist die Kondenswasserbildung beim Temperaturwechsel. Wenn du aus der 90 °C heißen Sauna in die kühlere Umgebung gehst, schlägt sich Feuchtigkeit innerhalb des Geräts nieder. Diese Kondensation auf Platinen, Mikrofonen und Lautsprechern kann Kurzschlüsse und Korrosion auslösen. Eine wissenschaftliche Studie auf ScienceDirect dokumentiert, dass Korrosion eine der häufigsten Ursachen für Hörgeräteausfälle in feuchten Klimazonen ist.
Weitere Schäden können auftreten: Die dünnen Receiver Drähte bei RIC Geräten können sich bei hohen Temperaturen verformen. Die Nano Beschichtungen, die moderne Hörgeräte vor Feuchtigkeit schützen, degradieren unter Hitze beschleunigt. Gummidichtungen und Klebstoffe können bei Temperaturen über 80 °C erweichen und ihre Dichtfunktion verlieren.
🚦 Schnell Check: Hörgeräte und verschiedene Saunatypen
| Finnische Sauna (80 bis 100 °C) | Nein | Weit über Temperaturgrenze, höchstes Risiko |
| Dampfbad (40 bis 50 °C, 100% Feuchte) | Nein | Kondensation garantiert, gleicht Untertauchen |
| Bio Sauna (50 bis 60 °C) | Nein | Überschreitet Spezifikationen, kombiniertes Risiko |
| Infrarotsauna (40 bis 60 °C) | Kritisch | Am Rande der Grenze, nicht empfohlen |

Was die Hersteller sagen
ReSound formuliert es am deutlichsten: "Never immerse your hearing aids or wear them while in a sauna, showering, or swimming." Phonak warnt in allen Bedienungsanleitungen vor Hitze und Sonnenlicht. Oticon spezifiziert explizit die Bedingung "nicht kondensierend" bei der maximalen Luftfeuchtigkeit, und genau diese Kondensation tritt in jeder Sauna unweigerlich auf.
Kein einziger Hersteller deckt Hitzeschäden über die Garantie ab. Alle Garantien beschränken sich auf Material und Herstellungsfehler. Schäden durch Betrieb außerhalb der Spezifikationen sind ausdrücklich ausgeschlossen.
Eine Frage, die ich oft höre: Gibt es denn keine saunafesten Hörgeräte? Die Antwort ist nein. Das robusteste wassergeschützte Hörgerät war das Siemens Aquaris mit IP68, das jedoch vom Markt genommen wurde, weil die dauerhaft zuverlässige Wasserdichtheit nicht garantiert werden konnte. Das aktuelle Phonak Audéo Life ist der Goldstandard bei Wasserfestigkeit, bleibt aber auf +5 °C bis +40 °C Betriebstemperatur beschränkt.
Sichere Aufbewahrung während des Saunagangs
Die einzige wirklich sichere Strategie ist das Abnehmen der Hörgeräte vor dem Saunagang. Aber wohin damit? Für die Aufbewahrung empfehle ich ein spezielles Hörgeräte Etui, das du an einem kühlen, trockenen und schattigen Ort lagerst. Im Wellness Bereich bedeutet das: in deinem Spind, getrennt von nassen Handtüchern und Badeanzügen.
Ein häufiger Fehler: Hörgeräte im Auto lassen. Bei direkter Sonneneinstrahlung können Innentemperaturen im Sommer 50 bis 70 °C erreichen. Das ist fast so schlimm wie die Sauna selbst. Wenn du mit dem Auto zum Wellnesshotel fährst, nimm die Geräte mit nach drinnen.
❓ Kann ich meine Hörgeräte nicht einfach mit einer Schutzhülle in die Sauna nehmen?
Produkte wie Ear Gear oder Hal-Hen Super Seals bieten im Alltag und beim Sport zuverlässigen Schutz vor Spritzwasser und Schweiß. Für Saunabedingungen reichen sie allerdings ausdrücklich nicht aus. Die extreme Hitze und der Dampf durchdringen diese Hüllen und können das Gerät dennoch beschädigen. Wie Nano Hearing Aids erklärt: Die intensive Hitze und der Dampf können die Abdeckung durchdringen und Schäden verursachen.
Trocknungsboxen und Pflege nach dem Saunieren
Für Hörgeräteträger, die regelmäßig saunieren, sind elektronische Trocknungsstationen mit UV-C Desinfektion das wichtigste Pflegezubehör. Sie verlängern die Lebensdauer der Geräte erheblich. Nicht nur nach dem Saunieren ist das sinnvoll, denn auch der normale Schweiß vom Alltag sammelt sich an und kann langfristig Schäden verursachen.
Die gängigsten Modelle auf dem deutschen Markt sind die PerfectDry Lux von Audinell oder Widex mit Warmlufttrocknung und UV-C Desinfektion für etwa 49 bis 54 Euro, die international bekannte Dry & Store Global II mit einem 8 Stunden Nachtprogramm, und die portable Flow Med Dry-Cap UV mit USB Aufladung für etwa 80 Euro. Für unterwegs gibt es auch passive Trockenkapseln mit Silikagel, die ab etwa 5 Euro erhältlich sind.
Die richtige Pflegeroutine nach einem Saunabesuch sieht so aus: Ohren gründlich abtrocknen, Hörgeräte mit einem weichen Mikrofasertuch abwischen, bei Batteriemodellen das Batteriefach öffnen, und dann das Gerät in die Trocknungsstation geben. Bei starker Feuchtigkeitseinwirkung empfiehlt Amplifon mehrfache Trocknungszyklen. Niemals Haartrockner, Mikrowelle oder direkte Wärmequellen zum Trocknen verwenden.
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Welche Sauna ist am schonendsten für Hörgeräte
Auch wenn ich grundsätzlich empfehle, Hörgeräte vor jedem Saunagang abzunehmen, ist die Risikobewertung je nach Saunatyp unterschiedlich. Falls du dich fragst, welche Variante für deinen Körper generell die beste ist: In meinem Artikel welche Sauna ist die gesündeste vergleiche ich alle Typen ausführlich.
Die finnische Sauna mit 80 bis 100 °C bei niedriger Luftfeuchtigkeit birgt das höchste Hitzerisiko für Elektronik. Das Dampfbad mit 40 bis 50 °C bei nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit stellt das höchste Feuchtigkeitsrisiko dar und gleicht praktisch dem Untertauchen des Geräts. Die Bio Sauna mit 50 bis 60 °C bei 40 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit kombiniert beide Risiken auf mittlerem Niveau.
Die Infrarotsauna mit 40 bis 60 °C bei sehr niedriger Luftfeuchtigkeit ist die mit Abstand schonendste Variante. Ohne Dampferzeugung und bei Temperaturen, die nur knapp über der Herstellergrenze liegen, ist das Risiko am geringsten. In Foren berichten Nutzer von regelmäßigen Sitzungen bei etwa 46 °C ohne Probleme. Offiziell empfohlen wird aber auch die Infrarotsauna nicht, denn die Temperatur überschreitet die Spezifikationen, und Schweiß bleibt als Feuchtigkeitsquelle bestehen. Wer als Hörgeräteträger auf Saunagänge nicht verzichten möchte und das Risiko minimieren will, für den ist die Infrarotsauna die sinnvollste mildere Alternative.

Cochlea Implantate: Besondere Regeln
Für Träger von Cochlea Implantaten gelten besondere, aber ermutigende Regeln. Das interne Implantat, das chirurgisch unter Haut und Knochen platziert ist, wird durch Körpergewebe geschützt und durch Saunawärme nicht beschädigt. Das Klinikum Stuttgart bestätigt: Sauna Besuche sind für das Implantat unbedenklich. Die Körperkerntemperatur steigt in der Sauna nur um 1 bis 3 °C, weit entfernt von kritischen Werten.
Der externe Sprachprozessor hingegen muss vor dem Saunagang zwingend abgenommen werden. MED-EL gibt die Betriebstemperatur mit 0 bis 50 °C an und empfiehlt explizit, den Audioprozessor vor dem Saunagang abzunehmen. Cochlear spezifiziert +5 °C bis +40 °C für den Nucleus Prozessor. Auch das wassergeschützte Nucleus Aqua+ Zubehör ist nicht für Temperaturen über 40 °C geeignet.
Die gute Nachricht für CI Träger: Du kannst bedenkenlos in die Sauna gehen. Du hörst dort allerdings nichts, was eine besondere Sicherheitsplanung erfordert. Mehr dazu im Abschnitt "Tipps für den Saunabesuch ohne Hörgerät".
Hautreizungen und Hygiene für Hörgeräteträger
Auch wenn du deine Hörgeräte in der Sauna nicht trägst, gibt es für Hörgerätenutzer einige Besonderheiten bei der Hautpflege zu beachten. Die Kombination aus Hörgerät, Hitze und Schweiß birgt erhöhte Risiken für die Haut. Hinter dem Ohr Geräte stauen Schweiß und Feuchtigkeit hinter der Ohrmuschel und im Gehörgang, was ideale Bedingungen für bakterielles Wachstum und Hautreizungen schafft.
Otitis externa, also eine Gehörgangsentzündung, ist die häufigste Infektion bei Hörgeräteträgern in feuchten Umgebungen. Eine Studie in "Hearing Balance and Communication" zeigt, dass Hörgeräteträger signifikant mehr mikrobielle Ablagerungen im Gehörgang aufweisen. Auch Kontaktdermatitis, Ekzeme und Schuppenflechte können durch den ständigen Kontakt von Kunststoff oder Silikon mit verschwitzter Haut ausgelöst oder verschlimmert werden.
Die wichtigsten Präventionsmaßnahmen: Lass deine Ohren nach dem Saunieren vollständig trocknen, bevor du Hörgeräte wieder einsetzt. Das dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Reinige deine Hörgeräte regelmäßig mit speziellen Desinfektionstüchern. Nutze UV-C Desinfektion, insbesondere wenn du zu Ohrinfektionen neigst. Wechsle Cerumenfilter alle 2 bis 4 Wochen und Schirmchen alle 1 bis 2 Monate.
Falls du generell empfindliche Haut hast oder Probleme mit Rötungen nach der Sauna kennst, schau dir meinen Artikel Beschwerden nach der Sauna an. Dort findest du weitere Tipps zur Hautpflege.
Tipps für den Saunabesuch ohne Hörgerät
Ohne Hörgerät in der Sauna zu sitzen bedeutet für viele Schwerhörige, in eine Welt der Stille einzutauchen. Manche empfinden das als belastend, andere berichten, dass sie die Stille bewusst als willkommene "Hörpause" genießen. Hier sind meine Tipps aus der Praxis:
Das Buddy System ist die wichtigste Sicherheitsmaßnahme: Geh immer mit einer hörenden Begleitperson in die Sauna. Diese Person kann auf Alarme, Aufguss Ansagen und Notfalldurchsagen aufmerksam machen. Vereinbart vorab einfache taktile Signale, zum Beispiel ein Antippen der Schulter für "Wir gehen" oder ein bestimmtes Handzeichen für "Alles in Ordnung?".
Für die Kommunikation empfiehlt es sich, dem Gegenüber direkt ins Gesicht zu schauen, sich nahe zusammenzusetzen und auf gute Beleuchtung zu achten. Kurze, klare Sätze und Handgesten helfen. Zur Zeitkontrolle eignet sich eine Sanduhr, die analoge Technik, die bei jeder Temperatur funktioniert und in vielen Saunen ohnehin vorhanden ist. Mehr zum Thema Saunazeit findest du in meinem Artikel zur Sauna Sanduhr.
Ein Tipp aus der Community: Manche Hörgeräteträger nutzen günstige gebrauchte "Opfer Hörgeräte" für die Sauna, die sie im Schadensfall ohne großen finanziellen Verlust ersetzen können. Ich rate von diesem Vorgehen ab, denn auch günstige Geräte können bei Überhitzung gefährlich werden, zum Beispiel durch auslaufende Akkus. Aber es zeigt, wie wichtig das Thema für viele Betroffene ist.

Häufige Fragen zu Hörgeräten in der Sauna
Zusammenfassung
Hörgeräte in der Sauna zu tragen ist keine gute Idee. Die Hitze von 80 bis 100 °C übersteigt die Herstellerspezifikationen um mehr als das Doppelte, IP68 schützt nicht vor Dampf und Temperaturschocks, und die Garantie deckt Hitzeschäden nicht ab. Die klügste Strategie ist einfach: Nimm deine Hörgeräte vor dem Saunagang ab, lagere sie sicher im Etui, genieße die Stille bewusst als Hörpause, und nutze eine Trocknungsbox für die regelmäßige Pflege. Cochlea Implantat Träger können beruhigt sein, denn das interne Implantat verträgt die Sauna problemlos, nur der externe Prozessor muss abgenommen werden.
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