Die Kunst des Venik: "Saunabesen" richtig anwenden (Einfach)
Christian ReindlIch sehe oft blutige Kratzer bei Anfängern, die zum ersten Mal einen Venik benutzt haben. Die Haut ist aufgeschürft, rot und gereizt. Der Grund ist immer derselbe: trockene Blätter, zu harte Schläge und null Technik. Das muss nicht sein. Mit der richtigen Vorbereitung und Technik wird die Venik Massage zu einem Erlebnis, das du nicht mehr missen willst.
Die Vorbereitung: Mach den Besen weich, sonst kratzt er
Der häufigste Anfängerfehler ist die Nutzung von zu trockenen Zweigen. Die Wenik Besen Anleitung beginnt deshalb nicht in der Sauna, sondern am Wassereimer. Ein gut vorbereiteter Venik fühlt sich an wie weiches Leder. Ein schlecht vorbereiteter wie Schmirgelpapier.
Getrocknete Veniks kommen meist vakuumverpackt aus Russland oder dem Baltikum. Die Blätter sind spröde, die Zweige starr. In diesem Zustand würden sie deine Haut zerkratzen und die ätherischen Öle bleiben in den Blättern eingeschlossen. Erst das Einweichen erweckt den Besen zum Leben.
Richtig einweichen (Der 20-Minuten-Trick)
Ein trockener Venik ist wie Schmirgelpapier. Die Birkenzweige einweichen ist der wichtigste Schritt vor der Anwendung. Lege den Besen mindestens 20 Minuten vor dem Gang in warmes Wasser. Nicht kochend, sondern angenehm warm, etwa 40 Grad.
Die Blätter müssen sich mit Wasser vollsaugen, bis sie sich wie weiches Leder anfühlen. Drücke probeweise ein Blatt zwischen die Finger. Es sollte nachgeben, nicht brechen. Wenn es noch knackt oder bröckelt, braucht der Venik mehr Zeit. Manche Profis weichen ihre Besen sogar 30 Minuten ein.
❓ Warum kein kochendes Wasser?
Kochendes Wasser zerstört die Zellstruktur der Blätter zu schnell. Sie werden matschig statt geschmeidig und verlieren ihre Form. Außerdem verdampfen die wertvollen ätherischen Öle ungenutzt in die Luft statt später auf deine Haut zu gelangen. Warmes Wasser löst die Öle sanft und hält sie in den Blättern.
Den Sud als Aufguss nutzen
Kipp das bräunliche Wasser bloß nicht weg. Das Einweichwasser ist der perfekte Bio-Aufguss. Es ist voller ätherischer Öle aus den Blättern und duftet intensiv nach Wald. Ich nutze es immer für die erste Runde auf den Steinen.
Der Sud hat eine goldbraune Farbe und riecht nach frischem Laub. In der russischen Banja gehört dieser Aufguss zum Ritual. Die Russen sagen, dieser Sud enthält die Seele des Waldes. Für zusätzliche Duftnoten kannst du den Sud mit unseren Saunadrops kombinieren, etwa Eukalyptus für freie Atemwege.
Die Technik: Schaufeln, nicht Peitschen
Ein Venik ist primär ein Ventilator, kein Stock. Die Venik Anwendung besteht zu 80 Prozent aus Luftbewegung und nur zu 20 Prozent aus Hautkontakt. Für mich ist das Fächeln wichtiger als der Schlag. Wer wild drauflos prügelt, hat das Prinzip nicht verstanden.
Die Banja Massage Technik folgt einem klaren Ablauf: Erst fächelst du den heißen Dampf auf den Körper. Dann drückst du die Hitze mit einer Kompresse in die Muskulatur. Erst zum Schluss kommt das sanfte Abklopfen. Diese Reihenfolge ist entscheidend.
Den heißen Dampf einfangen (Fächeln)
Die Hitze sammelt sich unter der Decke, wo dein Körper nicht hinkommt. Deshalb heben Profis die Arme, um in diese Schicht zu gelangen. Mit dem Venik holst du diese Hitze herunter. Die Blätter wirken wie kleine Schaufeln.
Mit kreisenden Bewegungen schaufelst du die heiße Luft von oben auf den Rücken deines Partners. Halte den Venik etwa zehn Zentimeter über der Haut und bewege ihn in sanften Wellen. Du drückst die Hitzewelle förmlich in die Haut, ohne sie zu berühren. Der Liegende spürt einen warmen Luftstrom, der über seinen Körper streicht.
Beim Fächeln geht es darum, die heiße Dampfschicht unter der Decke einzufangen und kontrolliert auf den Körper zu lenken.
Die Kompresse und das Abschlagen
Erst wenn die Haut heiß ist, berührt der Besen den Körper. Hebe den Venik nach oben, wo die Luft am heißesten ist. Schüttle ihn kurz, um die Hitze einzufangen. Dann drehe ihn um und drücke das heiße Blätterbündel für zwei bis drei Sekunden fest auf Verspannungen.
Nacken, Schultern und Lendenwirbel reagieren besonders gut auf diese Kompresse. Das wirkt wie eine natürliche Wärmeflasche. Die Hitze dringt tief in die Muskulatur und löst Verhärtungen. Manche Profis legen zusätzlich die Hand auf den Venik, um den Druck zu verstärken.

Erst danach folgt das rhythmische, sanfte Abklopfen. Klopfe, nicht schlage. Die Bewegung kommt aus dem Handgelenk, nicht aus dem Arm. Beginne bei den Füßen und arbeite dich langsam nach oben zum Nacken. Dann wieder zurück. Vier Durchgänge, jeder etwa eine Minute. Das reicht völlig.
Birke oder Eiche? Das richtige Holz wählen
Jeder Baum hat eine andere Wirkung auf deine Haut. Die Sauna Zweige Wirkung unterscheidet sich deutlich je nach Holzart. Die beiden Klassiker sind Birke und Eiche, aber es gibt auch exotischere Varianten wie Eukalyptus, Linde oder sogar Wacholder.
Die Wahl des richtigen Veniks hängt von deinem Hauttyp und deinen Vorlieben ab. Für den Anfang empfehle ich immer Birke. Sie ist weich, riecht angenehm und verzeiht Anfängerfehler. Eiche ist für Fortgeschrittene, die es intensiver mögen.
Birke: Die Seife der Natur
Birkenblätter enthalten Substanzen, die leicht schäumen und die Haut reinigen. Native Americans nutzten Birkenblätter seit Jahrhunderten als natürliche Seife und Shampoo. Die Blätter haben antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften und sind reich an Vitamin C.
Ich empfehle Birke bei unreiner Haut oder für Einsteiger. Die Blätter sind sehr weich und der Duft extrem frisch, fast minzig. Nach der Behandlung fühlt sich die Haut gereinigt und samtweich an. Falls du nach der Sauna marmorierte Haut bemerkst, ist das übrigens ein gutes Zeichen für die Durchblutung.
Eiche: Der Hitzeschild für Profis
Eichenblätter sind breiter, fester und halten die Hitze länger. Sie speichern den heißen Dampf wie ein Schwamm und geben ihn langsam an die Haut ab. Wer es richtig heiß mag und fettige Haut hat, greift zur Eiche.
Die Gerbstoffe in den Eichenblättern machen 15 bis 20 Prozent des Blattgewichts aus. Sie ziehen die Poren zusammen und mattieren das Hautbild. Der Duft ist tiefer, erdiger als bei Birke. Außerdem hat Eiche eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem und kann sogar den Blutdruck stabilisieren.
Venik kaufen oder selber machen? Beides ist möglich. Fertige Veniks gibt es online ab etwa fünf Euro. Selbermachen lohnt sich, wenn du Zugang zu den richtigen Bäumen hast. Die beste Erntezeit ist nach der Sommersonnenwende, wenn die Blätter voll entwickelt sind, aber noch jung und saftig.
Häufige Fragen zum Venik
Kann ich einen frischen Venik sofort benutzen?
Ja, frische Veniks brauchen kein langes Einweichen. Ein kurzes Abspülen reicht. Die Blätter sind bereits weich und voller Saft. Nur getrocknete Veniks müssen 15 bis 20 Minuten eingeweicht werden.
Wie oft kann ich einen Venik wiederverwenden?
Ein gut gepflegter Venik hält zwei bis vier Saunagänge. Wenn viele Blätter abfallen oder die Zweige nackte Enden haben, ist es Zeit für einen neuen. Nach jedem Gebrauch aufhängen und komplett trocknen lassen.
Kann ich verschiedene Holzarten mischen?
Absolut. In Russland sind kombinierte Veniks aus Birke und Eiche beliebt. Du bekommst dann die reinigenden Eigenschaften der Birke und die Hitzespeicherung der Eiche in einem Bündel. Auch Eukalyptuszweige werden oft beigemischt, um die Atemwege zu öffnen.
Wichtiger Hinweis: Achte darauf, dass du keine Allergie gegen Birken- oder Eichenpollen hast. Nutze den Venik nie auf verletzter Haut oder bei Sonnenbrand. Bei Hauterkrankungen oder offenen Wunden vorher ärztlichen Rat einholen.
