Saunagänger hebt die Arme beim Aufguss, um die Hitze des Löyly intensiv zu spüren.

Arme hoch im Aufguss: Warum Profis die Hände heben

Christian Reindl

Dahinter steckt kein Hokuspokus, sondern knallharte Physik und ein bisschen Psychologie. Diese Gäste wollen den maximalen Hitzeschock spüren. Sie nutzen einen Trick, den ich dir heute erkläre. Gleichzeitig zeige ich dir, warum du als Einsteiger die Finger davon lassen solltest.

Der Hitzekick: Warum es oben "mehr brennt"

Der Hauptgrund ist simple Physik: Wärme steigt immer nach oben. Arme heben Sauna ist keine Esoterik, sondern angewandte Thermodynamik. Wenn du verstehst, wie sich die Temperatur in einer Saunakabine verteilt, verstehst du auch dieses Verhalten.

In jeder Sauna gibt es einen Temperaturgradienten. Direkt unter der Decke sammelt sich die heißeste Luft, am Boden ist es vergleichsweise kühl. Messungen zeigen: Während es auf Kopfhöhe der oberen Bank etwa 70 bis 80 Grad sind, herrschen unter der Decke locker 90 bis 100 Grad. Das ist ein gewaltiger Unterschied auf wenigen Zentimetern.

Der Temperaturunterschied von 50 Zentimetern

Wenn du die Hände streckst, greifst du direkt in die heißeste Luftschicht unter der Decke. Dort oben sammeln sich der Dampf und die extremste Hitze. Sauna Löyly begrüßen nennen manche Stammgäste dieses Ritual, weil sie den finnischen Dampfgeist förmlich umarmen. Deine Fingerspitzen spüren oft 10 bis 20 Grad mehr als dein Kopf.

Der Effekt verstärkt sich während des Aufgusses dramatisch. Wenn Wasser auf die heißen Steine trifft, steigt der Dampf explosionsartig nach oben. Er sammelt sich unter der Decke wie eine unsichtbare Glocke. Wer jetzt die Arme hochreißt, taucht mit den Händen direkt in diese Dampfwolke ein. Das Gefühl ist intensiv, fast schon brennend.

❓ Wie groß ist der Temperaturunterschied in einer Sauna wirklich?

In einer typischen finnischen Sauna herrschen an der Decke etwa 100 Grad, auf der oberen Bank 70 Grad und am Boden nur 40 Grad. Das bedeutet: Zwischen deinem Kopf auf der oberen Bank und deinen ausgestreckten Fingerspitzen können 20 bis 30 Grad Unterschied liegen. Wer das einmal bewusst erlebt hat, versteht sofort, warum erfahrene Saunagänger die Arme heben.

Temperaturzonen in der Sauna: Warum es unter der Decke am heißesten ist.

Empfindliche Haut an den Achseln

Durch das Heben der Arme entblößt du deine Achselhöhlen, wo die Haut sehr dünn ist. Das Blut zirkuliert dort dicht unter der Oberfläche. Achseln Hitze Sauna ist ein unterschätzter Faktor: Wenn der heiße Dampf diese empfindlichen Stellen trifft, meldet der Körper sofort Alarmstufe Rot.

Die Reaktion folgt automatisch: Die Schweißdrüsen in den Achseln arbeiten auf Hochtouren. Du schwitzt noch intensiver als ohnehin schon. Für Profis ist genau das der Reiz. Sie wollen jede Pore öffnen, jeden Tropfen aus dem Körper holen. Die italienische Aufguss-Vereinigung AISA beschreibt dieses Phänomen in ihren Schulungen: Im dritten und intensivsten Aufguss heben erfahrene Gäste die Arme, um maximale Körperoberfläche dem heißen Dampf anzubieten.

Bessere Atmung: Den Brustkorb öffnen

Neben der Hitze geht es vielen Saunagängern auch um das Gefühl der Freiheit beim Atmen. Hände hoch beim Aufguss hat einen zweiten, weniger bekannten Effekt: Es verändert deine Körperhaltung so, dass du tiefer und freier atmen kannst.

Ich beobachte das besonders bei achtsamen Saunagängern, die den Aufguss als meditatives Erlebnis nutzen. Sie strecken die Arme nicht hektisch nach oben, sondern langsam und bewusst. Die gesamte Körperhaltung öffnet sich dabei.

Platz für die Lunge schaffen

Wenn wir die Arme heben, weiten sich automatisch die Rippenbögen und das Zwerchfell bekommt mehr Spielraum. Die Lunge kann sich vollständiger entfalten. Studien aus dem Yoga-Bereich bestätigen: Arme über dem Kopf verstärken die Bauchatmung und erhöhen das Atemvolumen spürbar.

Gerade wenn ätherische Öle wie Menthol oder Eukalyptus im Spiel sind, kannst du so den Duft viel tiefer und befreiender einatmen. Die Kombination aus geöffnetem Brustkorb und freigegebenen Atemwegen fühlt sich an wie ein Reset für die Lunge. Unsere Saunadrops mit Minze oder Eukalyptus entfalten in diesem Moment ihre volle Wirkung.

Mentale Stärke zeigen

Es hat auch eine psychologische Komponente: Man ergibt sich der Hitze, statt sich klein zu machen. Hitzeempfinden steigern funktioniert nicht nur körperlich, sondern auch mental. Wer die Arme öffnet, signalisiert dem eigenen Gehirn: Ich akzeptiere diese Herausforderung.

Ich beobachte oft, dass diese offene Körperhaltung hilft, die extremen Temperaturen mental besser auszuhalten als eine verkrampfte Schutzhaltung. Wer sich zusammenkauert, verstärkt das Gefühl der Bedrohung. Wer sich öffnet, verwandelt die Hitze in ein Erlebnis statt in einen Angriff. Das ist keine Esoterik, sondern Körpersprache, die auf das Nervensystem zurückwirkt.

Die Kombination aus maximalem Hitzeempfinden und tiefer Atmung macht das Armheben für Profis zum ultimativen Sauna-Erlebnis.

Die Gefahr: Warum Anfänger die Arme unten lassen sollten

Was bei Profis cool aussieht, kann bei Neulingen schnell zum Kollaps führen. Kreislaufbelastung Arme oben ist ein ernstes Thema, über das kaum jemand spricht. Ich rate Anfängern explizit davon ab, dieses Verhalten nachzuahmen.

Die Sauna belastet den Kreislauf ohnehin schon erheblich. Deine Blutgefäße weiten sich, das Herz pumpt schneller, der Blutdruck schwankt. In diesem Zustand zusätzliche Herausforderungen einzubauen, ist riskant. Die Gefahr von Schwindel und Ohnmacht steigt deutlich.

Das Blut muss bergauf gepumpt werden

Wenn die Hände über dem Kopf sind, muss das Herz schwerer arbeiten. Die Schwerkraft zieht das Blut aus den erhobenen Armen nach unten. Bei weitgestellten Gefäßen in der Hitze kann das Blut in den Beinen und im Unterkörper versacken.

Das Ergebnis: Das Gehirn bekommt vorübergehend weniger Blut. Bei labilem Kreislauf führt das zu Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder im schlimmsten Fall zur Ohnmacht. Harvard-Mediziner warnen explizit davor, dass bei niedrigem Blutdruck in der Sauna besondere Vorsicht geboten ist. Die Kombination aus Hitze, weitgestellten Gefäßen und Armheben kann zu viel sein.

Die "Kopf-an-Knie"-Regel für Einsteiger

Wenn dir die Hitze zu viel wird, mach dich lieber klein, statt dich zu strecken. Je kompakter du sitzt, desto weniger Angriffsfläche bietest du dem heißen Dampf. Das ist das Gegenteil der Profi-Methode, aber für Anfänger der sicherere Weg.

Taste dich langsam an die Profis heran. Wenn du merkst, dass dir schwindelig wird: Setz dich auf eine niedrigere Bank, beuge den Oberkörper leicht nach vorne und bring den Kopf Richtung Knie. Diese Position hilft dem Blut, wieder ins Gehirn zu fließen. Erst wenn du dutzende Saunagänge ohne Probleme überstanden hast, kannst du experimentieren.

🔥 Christians Ehrliche Meinung: Ich hebe die Arme beim Aufguss, aber erst nach über zehn Jahren Saunaerfahrung. Für mich ist das der Moment, wo ich den Löyly wirklich spüre, wie eine heiße Umarmung von allen Seiten. Aber ich kenne meinen Körper, ich kenne meine Grenzen. Wenn du Anfänger bist oder zu Kreislaufproblemen neigst, lass es sein. Der Genuss ist nicht weniger intensiv, nur weil du die Arme unten lässt. Die Sauna soll dich entspannen, nicht ins Krankenhaus bringen.

Häufige Fragen zum Armheben in der Sauna

Warum strecken manche Leute beim Aufguss die Arme hoch?

Sie wollen den heißesten Bereich der Sauna direkt unter der Decke erreichen. Dort ist die Temperatur bis zu 30 Grad höher als auf Kopfhöhe. Gleichzeitig entblößen sie die empfindliche Haut der Achseln, was den Schwitzreiz verstärkt. Das öffnet zusätzlich den Brustkorb für tieferes Atmen.

Ist Armheben in der Sauna gefährlich?

Für erfahrene Saunagänger mit stabilem Kreislauf ist es unbedenklich. Für Anfänger, Menschen mit niedrigem Blutdruck oder Kreislaufproblemen kann es Schwindel oder Ohnmacht auslösen. Das Herz muss gegen die Schwerkraft arbeiten, während die Gefäße ohnehin weit gestellt sind. Bei ersten Anzeichen von Unwohlsein sofort aufhören.

Wie kann ich den Hitzeeffekt verstärken, ohne Arme zu heben?

Setz dich auf die oberste Bank, wo es am heißesten ist. Nutze einen nassen Saunahut statt eines trockenen und lass dein Gesicht frei. Atme bewusst tief durch die Nase ein, wenn der Aufguss-Dampf kommt. Bleib aufrecht sitzen statt dich zu krümmen. Das verstärkt das Erlebnis, ohne den Kreislauf zusätzlich zu belasten.

Fazit: Kenne deine Grenzen

Das Armheben beim Aufguss ist ein Profi-Trick, der den Hitzekick maximiert. Es funktioniert durch simple Physik: Du greifst in die heißeste Luftschicht, entblößt empfindliche Hautstellen und öffnest gleichzeitig deinen Brustkorb für tieferes Atmen.

Aber nicht jeder sollte es machen. Wenn du neu in der Sauna bist oder zu Kreislaufproblemen neigst, bleib bei der klassischen Haltung. Die Sauna ist ein Ort der Entspannung, kein Wettbewerb. Respektiere die Hitze, respektiere deinen Körper. Und wenn du irgendwann so weit bist, wirst du selbst spüren, wann der Moment gekommen ist, den Löyly mit offenen Armen zu begrüßen.


Wichtiger Hinweis: Dies sind meine Beobachtungen aus der Saunapraxis. Wer zu Schwindel neigt, sollte die Arme immer unten lassen, um den Blutrückfluss zum Herzen nicht zu erschweren. Bei Kreislaufbeschwerden oder Vorerkrankungen bitte vor dem Saunieren ärztlichen Rat einholen.

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