Saunaaufguss: Wasser trifft auf glühende Saunasteine – der Moment wenn der Löyly entsteht und Dampf aufsteigt

Der perfekte Saunaaufguss: Anleitung für Wedeltechnik, Dosierung und das "Löyly"-Gefühl

Christian Reindl

Ich sehe es immer wieder: Leute kippen lustlos Wasser auf die Steine, wedeln halbherzig mit dem Handtuch rum und wundern sich, warum der Aufguss flach bleibt. Dabei ist Saunaaufguss selber machen keine Raketenwissenschaft. Du brauchst nur die richtige Technik und ein bisschen Respekt vor dem Ritual. Hier bei uns in der Oberpfalz habe ich meine eigene Methode entwickelt. Schritt für Schritt zeige ich dir, wie du vom Anfänger zum Heim-Saunameister wirst.

Schritt 0: Der Fehler, den fast alle machen

Bevor wir über Wasser und Wedeln reden, müssen wir über Luft reden. Genauer: über Sauerstoff. Das ist der Fehler Nummer eins. Die meisten vergessen das Lüften vor Sauna komplett.

Stell dir vor: Du sitzt seit 10 Minuten in der heißen Kabine. Die Luft ist stickig, der Sauerstoffgehalt sinkt mit jeder Minute. Jetzt kommt der Aufguss. Die Hitze steigt noch weiter. Dein Körper lechzt nach Sauerstoff, kriegt aber nur heiße, verbrauchte Luft. Das Ergebnis? Kopfschmerzen, Schwindel, das Gefühl, gleich umzukippen.

❓ Was also tun?

Mach die Tür auf. Kurz bevor du gießt, öffne die Saunatür für 30 bis 60 Sekunden weit. Frische Luft strömt rein, verbrauchte Luft raus. Das nennt sich Stoßlüften. Die Temperatur fällt kurz ab, aber das ist egal. Die Steine haben genug Hitze gespeichert. Und du hast jetzt den Sauerstoff, den dein Körper braucht, um den kommenden Hitzestoß zu genießen statt zu erleiden.

Lüften vor Sauna ist kein optionaler Schritt. Es ist die Grundlage für einen Aufguss, der belebt statt erschöpft.

Schritt 1: Das Gießen – Zelebriere den Löyly

Jetzt wird es ernst. Die Tür ist zu. Die Luft ist frisch. Du stehst mit deiner Kelle vor dem Ofen. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Löyly ist finnisch und bedeutet wörtlich übersetzt "Dampf" oder "heißer Wind". Aber für die Finnen ist es mehr als das. Es ist der Geist der Sauna. Der heilige Atem, der entsteht, wenn Wasser auf heiße Saunasteine trifft. Und dieser Löyly will respektvoll behandelt werden.

Die Saunaaufguss Dosierung

Profis rechnen so: Etwa 15 ml Flüssigkeit pro Kubikmeter Kabinenvolumen pro Aufguss. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Eine typische Heimsauna hat 6 bis 8 Kubikmeter. Das sind also 90 bis 120 ml pro Durchgang. Verteilt auf zwei bis drei Teilaufgüsse.

In der Praxis: Zwei bis drei mittelgroße Kellen pro Runde reichen völlig. Mehr Wasser bedeutet nicht automatisch mehr Löyly. Es bedeutet oft nur, dass der Dampf zu dicht wird und das Atmen schwerfällt.

Die Gießtechnik

Hier passiert der zweite große Fehler: Alles auf einen Fleck kippen. Das Wasser sammelt sich, die Steine an dieser Stelle kühlen ab, der Dampf kommt ungleichmäßig. Falsch.

Gieße langsam. Führe die Kelle von hinten nach vorne über die Steine. Lass das Wasser fließen wie einen dünnen Vorhang. So trifft es möglichst viele heiße Oberflächen. Der Dampf steigt gleichmäßig auf. Das Zischen ist satt und tief, nicht hektisch und dünn.

Ein Hinweis: Nur richtig heiße Steine verdampfen sauber. Wenn deine Steine alt und zerbröselt sind, geht viel Energie verloren. Falls dein Aufguss nicht mehr richtig zischt, könnte es an den Steinen liegen.

Schritt 2: Die Show beginnt – Richtig wedeln Sauna

Der Dampf ist aufgestiegen. Aber wo ist er jetzt? Genau: unter der Decke. Dort sammelt sich die heiße, feuchte Luft wie eine unsichtbare Glocke. Die Physik ist unbarmherzig. Warme Luft steigt nach oben. Wenn du nichts tust, bleibt die Hitze dort oben und du sitzt unten im Lauen.

❓ Wie holst du die Hitzeglocke runter?

Mit dem Handtuch. Das Wacheln Technik (oder Wedeln, wie wir in Bayern sagen) ist keine Spielerei. Es ist der entscheidende Schritt, der aus einem Aufguss ein Erlebnis macht.

Technik 1: Der Propeller

Nimm dein Handtuch an zwei Ecken. Strecke die Arme aus. Drehe das Handtuch in großen, langsamen Kreisen über deinem Kopf. Wie ein Helikopterrotor. Der Luftstrom erfasst die Hitzeglocke und drückt sie nach unten. Gleichmäßig, kontrolliert.

Technik 2: Der Abschlag

Halte das Handtuch mit beiden Händen gespannt über dem Kopf. Ziehe es kräftig nach unten, als würdest du eine Axt schwingen. Stopp kurz vor Hüfthöhe. Das erzeugt eine Druckwelle, die den Dampf förmlich auf die Saunagäste (oder auf dich selbst) schaufelt.

Profi-Hack: Dampf pflücken

Hier ein Trick, den kaum jemand kennt: Pflücke den Dampf dort, wo er sich an der Decke sammelt. Führe das Handtuch zuerst in diese Zone und lenke die Luft dann gezielt über die oberen Bänke. Dort ist das Löyly am intensivsten. Von da arbeite dich nach unten vor.

Ein Wort zur Ergonomie: Falsches Wedeln führt schnell zu Nacken- und Schulterproblemen. Viele Anfänger reißen hektisch am Handtuch und verkrampfen dabei. Mach es anders. Langsame, kraftvolle Bewegungen aus der Hüfte. Die Arme bleiben relativ locker. So kannst du mehrere Runden durchhalten, ohne am nächsten Tag einen steifen Nacken zu haben.

🔥 Christians Wedel-Tipp: Viele Anfänger wedeln zu hektisch. Mache lieber langsame, kraftvolle Bewegungen. Stell dir vor, du schaufelst die Luft wie Wasser. Und ganz wichtig: Wedele immer in Richtung deiner Gäste (oder zu dir selbst), nicht einfach wild in den Raum. Die Hitze soll ankommen, nicht irgendwo verpuffen.

Schritt 3: Der Duft – Öl-Flasche vs. Drop

Jetzt reden wir über das i-Tüpfelchen. Den Duft. Er macht aus einem guten Aufguss einen unvergesslichen.

Die klassische Methode: Du nimmst eine Flasche Saunaöl-Konzentrat, schüttest ein paar Spritzer ins Wasser und gießt das Ganze über die Steine. Klingt einfach. Ist es auch. Aber es hat seine Tücken.

Das Problem mit der Flasche: Im Halbdunkel der Sauna, mit schweißnassen Händen, Öl in eine Kelle dosieren? Die Menge raten, weil die Aufschrift längst verwischt ist? Das Wasser wird trüb, die Ölflasche rutscht weg, du tropfst auf den Holzboden. Kennst du das?

Marken wie Spitzner empfehlen 15 bis 30 ml Konzentrat pro Liter Wasser. Schupp sagt etwa 25 ml pro Liter. Für DIY-Mischungen mit reinen ätherischen Ölen gilt die Regel: maximal 4 ml Öl pro Liter Wasser. Und niemals pur auf die Steine gießen. Brandgefahr.

Das ist ziemlich viel Rechnerei für einen entspannten Saunagang, oder?

Die Alternative: Saunadrops. Ein Drop, perfekt vordosiert. Einfach auf die heißen Steine legen oder ins Wasser werfen. Kein Messen, kein Kleckern, kein Kopfrechnen. Der Duft entfaltet sich gleichmäßig und kontrolliert.

Für alle, die den extremen Frische-Kick mit Menthol suchen: Die Drops gibt es auch in intensiven Minz-Varianten. Perfekt für den letzten Aufguss des Abends, wenn du dieses Eisgefühl auf der Haut willst.

Nach dem Aufguss: Die Ruhephase

Der Aufguss ist vorbei. Der Dampf verteilt. Die Hitze hat deinen Körper durchdrungen. Und jetzt? Raus rennen und unter die kalte Dusche?

Nein. Halt. Gib deinem Körper einen Moment.

Bleib noch ein bis zwei Minuten sitzen. Atme langsam. Lass den Löyly nachwirken. Dein Körper fährt gerade Hochleistung. Der Kreislauf ist auf Maximum. Jetzt sofort aufspringen kann Schwindel oder Kreislaufprobleme verursachen.

Diese kurze Nachschwitz-Phase ist wichtig. Der Schweiß fließt weiter, auch wenn kein neuer Dampf mehr kommt. Die Hitze in den Steinen und im Holz strahlt nach. Nutze diese Minuten, um bewusst zu entspannen.

Erst dann: langsam aufstehen, kurz am Türrahmen stabilisieren, rausgehen. Dann kommt die Abkühlung. Und danach die Ruhepause. Aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens: Wenn du das Erlebnis noch intensiver gestalten willst, kombiniere deinen Aufguss mit Farblicht. Warmes Orange zum aktivierenden Citrus-Duft. Kühles Blau zum erfrischenden Menthol. Dein Gehirn liebt stimmige Signale.

Häufige Fragen zum Aufguss

Wie viel Wasser brauche ich für einen Aufguss?

Pro Runde rechnet man mit etwa 15 bis 20 ml Wasser pro Kubikmeter Rauminhalt. In einer kleinen Heimsauna mit 6 bis 8 Kubikmetern reichen oft zwei bis drei Kellen pro Durchgang. Verteile das Wasser auf mehrere Teilaufgüsse für ein gleichmäßigeres Löyly.

Muss ich die Saunatür während des Aufgusses öffnen?

Vor dem Aufguss: Ja! Stoßlüften für frischen Sauerstoff ist essenziell. Ohne Sauerstoff macht Hitze müde und kann Kopfschmerzen verursachen. Während des Aufgusses bleibt die Tür geschlossen, damit der Dampf nicht entweicht.

Wie wedele ich richtig?

Wedeltechnik beim Saunaaufguss: Handtuch in Bewegung verteilt die Hitzeglocke und bringt den Löyly zu den Saunagästen

Nutze das Propeller-Prinzip (Handtuch kreisen) oder den Abschlag (kräftig von oben nach unten). Das Ziel: Die Hitzeglocke unter der Decke aufbrechen und den Dampf zu den Saunagästen lenken. Langsame, kraftvolle Bewegungen sind effektiver als hektisches Flattern.

Fazit: Der Aufguss als Kunstform

Saunaaufguss selber machen ist mehr als eine technische Übung. Es ist ein kleines Ritual. Vom Lüften über das Gießen bis zum Wedeln. Jeder Schritt hat seinen Sinn. Und wenn alles zusammenkommt, entsteht dieses Gefühl, das die Finnen Löyly nennen. Ein heißer Wind, der dich von innen reinigt.

Probiere diese Saunaaufguss Anleitung aus. Experimentiere mit Düften. Finde deinen Rhythmus. Und irgendwann wirst du merken: Der Aufguss ist nicht das Ende des Saunagangs. Er ist der Höhepunkt.


Sicherheitshinweis: Heißer Wasserdampf kann Verbrühungen verursachen. Halte beim Gießen Abstand zu den Steinen. Wedele nicht direkt vor dem Gesicht anderer Saunagäste. Bei Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufbeschwerden sofort die Sauna verlassen und abkühlen. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.

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