Herz-Workout ohne Sport? Wie Saunieren dein Herz stärkt
Christian ReindlHand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal nach einem langen Saunagang gedacht, das fühlt sich an wie nach dem Joggen? Dieses Gefühl trügt nicht. Sportwissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben gemessen, was passiert, wenn wir in der Kabine schwitzen. Sie verglichen die Herzreaktion beim Saunieren mit der beim Radfahren auf dem Ergometer. Das Ergebnis hat mich elektrisiert: Die Belastung für dein Herz-Kreislauf-System entspricht etwa 60 bis 100 Watt auf dem Fahrrad. Das ist moderates Ausdauertraining, ohne dass du einen Finger krümmen musst.
Die physiologische Belastung: Warum Schwitzen Arbeit ist
Auch wenn du entspannt auf dem Handtuch liegst, leistet dein Motor Höchstarbeit. Die Herzgesundheit Sauna Verbindung fasziniert mich seit Jahren, weil sie so kontraintuitiv erscheint. Du bewegst keinen Muskel, aber dein Herz arbeitet wie beim Laufen.
❓ Warum schlägt das Herz in der Sauna so schnell, obwohl wir nur stillsitzen?
Die Antwort liegt in der Thermoregulation. Dein Körper muss die Kerntemperatur stabil halten, obwohl von außen Temperaturen von 80 bis 100 Grad auf ihn einwirken. Das erfordert Schwerstarbeit vom gesamten Kreislaufsystem.
Pulsanstieg auf bis zu 120 Schläge
Die Hitze weitet die Gefäße, und um den Blutdruck stabil zu halten, muss das Herz schneller pumpen. Dein Puls steigt dabei auf Werte, die einem moderaten Ausdauertraining entsprechen. Ich habe das selbst mit einer Pulsuhr getestet und war verblüfft: Nach 15 Minuten bei 85 Grad zeigte mein Handgelenk 118 Schläge pro Minute an.
Die Sauna Herzfrequenz kann bei vielen Menschen sogar auf 130 bis 150 Schläge pro Minute steigen, abhängig von der individuellen Fitness und der Kabinen-Temperatur. Wissenschaftler vergleichen das mit einer Belastung von etwa 100 Watt auf dem Fahrrad-Ergometer. Der Sportwissenschaftler Dr. Sascha Ketelhut von der Universität Halle-Wittenberg hat das in einer viel beachteten Studie nachgewiesen.
Das Herzzeitvolumen, also die Menge an Blut, die dein Herz pro Minute durch den Körper pumpt, steigt um bis zu 70 Prozent. Das ist echter Trainingsreiz für deinen wichtigsten Muskel.
Gymnastik für deine Gefäße
Es ist ein ständiges Auf und Ab für deine Adern, und genau das macht sie stark. In der Hitze weiten sich deine Blutgefäße maximal, der Blutdruck sinkt dabei oft leicht. Beim Abkühlen ziehen sie sich blitzschnell wieder zusammen.
Dieses Gefäßtraining hält die Gefäßwände elastisch wie einen neuen Gummischlauch. Stell dir vor, deine Adern machen Gymnastik, ohne dass du dafür aufstehen musst. Der Wechsel zwischen Vasodilatation (Weitung) und Vasokonstriktion (Verengung) trainiert die glatte Muskulatur in den Gefäßwänden.
Dieser Effekt wirkt sich besonders positiv auf die sogenannte Endothelfunktion aus. Das Endothel ist die innere Auskleidung deiner Blutgefäße, eine hauchdünne Zellschicht, die über Gesundheit und Krankheit entscheidet. Saunieren verbessert nachweislich die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO), dem wichtigsten Molekül für flexible, gesunde Gefäße.
Langfristige Vorteile: Schutz vor dem Infarkt
Wer regelmäßig schwitzt, lebt statistisch gesehen sicherer. Diese Aussage mag gewagt klingen, aber die Datenlage aus Finnland ist eindeutig. In der Kardiologie Wellness Szene hat kaum eine Studie so eingeschlagen wie die finnischen Langzeitdaten.
❓ Kann Saunieren wirklich das Herzinfarkt-Risiko senken?
Die Antwort lautet: Ja, und zwar dramatisch. Die Finnen haben das über Jahrzehnte hinweg beobachtet und dokumentiert.
Die berühmte Laukkanen-Studie
Eine Langzeitstudie aus Finnland mit über 2.300 Männern brachte Erstaunliches ans Licht. Dr. Jari Laukkanen von der Universität Ostfinnland und sein Team haben die Teilnehmer über 20 Jahre begleitet. Die Laukkanen Studie Sauna Ergebnisse haben die wissenschaftliche Welt aufgerüttelt.
Wer 4 bis 7 Mal pro Woche in die Sauna ging, hatte ein um bis zu 63% geringeres Risiko für den plötzlichen Herztod im Vergleich zu denen, die nur einmal pro Woche saunierten. Das ist effektiver als manche Pille, die dir der Arzt verschreiben könnte.
Auch das Risiko für tödliche koronare Herzkrankheiten sank um 48 Prozent, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt um 50 Prozent. Die Gesamtsterblichkeit war bei den Viel-Saunierern um 40 Prozent niedriger. Diese Zahlen stammen aus einer im JAMA Internal Medicine publizierten Studie, einer der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften weltweit.
Verbesserung der Endothelfunktion
Das Endothel ist die innere Auskleidung deiner Blutgefäße und damit der Schlüssel zu deren Gesundheit. Diese hauchdünne Zellschicht produziert Substanzen, die deine Gefäße weiten und Ablagerungen verhindern. Eine gesunde Endothelfunktion ist der beste Schutz vor Arteriosklerose.
Japanische Forscher haben gezeigt, dass bereits zwei Wochen regelmäßiger Saunatherapie die Endothelfunktion bei Patienten mit Risikofaktoren messbar verbessert. Die sogenannte Flow-Mediated Dilation (FMD), ein wichtiger Marker für die Gefäßgesundheit, stieg dabei signifikant an.
Was passiert dabei genau? Die wiederholte Hitzebelastung erhöht die Produktion von eNOS, dem Enzym, das Stickstoffmonoxid herstellt. Dieses Molekül ist der wichtigste Gefäßerweiterer in deinem Körper. Mehr NO bedeutet flexiblere Gefäße, besserer Blutfluss und weniger Ablagerungen. Das erklärt auch die Verbindung zur Longevity und Zellreparatur, die ich in einem anderen Artikel beschrieben habe.
Sauna als Ergänzung zum Ausdauertraining
Ersetzt die Sauna jetzt dein Jogging? Nein, aber sie macht es effektiver. Ich sage immer: Du bekommst vom Schwitzen allein keinen Bizeps, aber ein starkes Herz. Die Blutdruck senken Sauna Wirkung ist wissenschaftlich belegt und komplementiert dein reguläres Training optimal.
❓ Wie kombiniere ich Sauna und Sport am besten?
Die klügste Strategie ist, beides zu verbinden. Viele Athleten haben das längst verstanden und nutzen die Hitze als Trainingstool.
Synergieeffekte für Sportler
Die Kombination ist unschlagbar. Wenn du nach dem Sport in die Sauna gehst, verlängerst du quasi das Herz-Kreislauf-Training, während sich die Muskeln schon entspannen. Du trainierst weiter, ohne die Gelenke zu belasten.

Eine Studie zeigte, dass 15 Minuten Sauna nach dem Ausdauertraining die kardiorespiratorische Fitness stärker verbessert als Training allein. Die UCLA bestätigt in ihrer Gesundheitsbewertung, dass Sauna nach dem Workout den Effekt auf den Cholesterinspiegel verstärkt.
Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht intensiv trainieren können, bietet die Sauna eine echte Alternative. Ob Gelenkprobleme, Verletzungen oder Erschöpfung: Dein Herz bekommt trotzdem sein Workout. Das Herz läuft quasi einen Marathon im Liegen, während du entspannst. Übrigens: Wer hofft, damit auch abzunehmen, sollte realistische Erwartungen haben. Die verlorenen Kilos sind hauptsächlich Wasser.
Das Herz-Kreislauf-System nachhaltig stählen
Regelmäßigkeit ist der Schlüssel. Wie beim Sport verfliegt der Effekt, wenn du aufhörst. Sieh die Sauna als dein "passives Fitnessstudio" an Tagen, an denen du keine Lust auf Laufen hast.
Die Wissenschaft zeigt: Der Körper adaptiert an den Hitzestress, ähnlich wie an Ausdauertraining. Dein Plasmavolumen erhöht sich, die Schweißproduktion wird effizienter, und die Gefäße reagieren schneller auf Temperaturwechsel. Das nennt man Wärmeakklimatisierung.
Mach es dir zur Routine, 2 bis 4 Mal pro Woche in die Kabine zu gehen. Nach ein paar Wochen wirst du merken, dass du die Hitze besser verträgst und dein Ruhepuls sich verbessert. Unsere Saunadrops machen jeden Gang zu einem duftenden Ritual, das du nicht ausfallen lassen willst.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf gesunde Herzen. Wer bereits unter Herzinsuffizienz oder instabiler Angina Pectoris leidet, muss zwingend vor dem Saunabesuch seinen Kardiologen fragen.
Häufige Fragen zur Herzgesundheit und Sauna
Ist Sauna so effektiv wie Sport?
Für das Herz-Kreislauf-System ja. Die Herzfrequenz steigt ähnlich wie bei moderatem Ausdauersport, etwa schnelles Gehen oder leichtes Radfahren mit 60 bis 100 Watt. Für den Muskelaufbau ersetzt Sauna jedoch kein Training. Du brauchst weiterhin Widerstandstraining für Kraft und Muskelmasse.
Wie hoch steigt der Puls in der Sauna?
Der Puls kann auf 100 bis 150 Schläge pro Minute ansteigen, abhängig von der Hitze und deiner individuellen Fitness. Das entspricht einer Belastung von ca. 100 Watt auf dem Ergometer. Trainierte Saunagänger erreichen oft niedrigere Spitzenwerte, weil ihr Körper an die Hitze adaptiert ist.
Schützt Sauna vor Herzinfarkt?
Studien zeigen, dass regelmäßiges Saunieren (4-7x pro Woche) das Risiko für plötzlichen Herztod um bis zu 63 Prozent und für andere kardiovaskuläre Erkrankungen um bis zu 50 Prozent senken kann. Diese Daten stammen aus der finnischen Kuopio-Studie mit über 2.300 Teilnehmern und 20 Jahren Beobachtungszeit.
Fazit: Dein Herz verdient dieses Training
Die Sauna ist kein Ersatz für echten Sport, aber ein mächtiges Werkzeug für deine Herzgesundheit. Die finnischen Daten zeigen eindeutig: Wer regelmäßig schwitzt, lebt länger und hat ein gesünderes Herz. Der 100-Watt-Effekt macht die Sauna zu einem echten Herz-Workout ohne Bewegung.
Mein Rat: Kombiniere Bewegung und Wärme. Geh nach dem Sport in die Sauna, oder nutze sie an trainingsfreien Tagen als passives Kardio-Training. Dein Herz wird es dir danken, deine Gefäße werden elastischer, und du reduzierst nachweislich dein Risiko für lebensbedrohliche Herzereignisse.
Quellen: Ketelhut & Ketelhut (Complementary Therapies in Medicine, 2019), Laukkanen et al. (JAMA Internal Medicine, 2015), Mayo Clinic Proceedings (2018), UCLA Health (2023). Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
