Ein einfacher grauer Filz-Saunahut liegt neben einer Brille auf einer hölzernen Saunabank.

Der Saunahut im Selbsttest: Alberner Wichtel-Look oder echter Gamechanger?

Christian Reindl

Gartenzwerg-Alarm: Warum ich mich lange geweigert habe

Okay, Butter bei die Fische: Ich hielt Saunahüte jahrelang für das Lächerlichste, was die Sauna-Szene zu bieten hat. Ernsthaft. Wer setzt sich freiwillig so ein Ding auf den Kopf und läuft rum wie ein Wichtel aus dem Märchenwald?

Ich bin Christian, Gründer von Sencify und den Saunadrops. Ich habe in den letzten Jahren mehr Aufgüsse gemacht als die meisten Hobby-Saunierer in ihrem ganzen Leben – und trotzdem war der Saunahut für mich immer ein No-Go. Warum? Weil ich nicht aussehen wollte wie ein verdammter Gartenzwerg.

Stell dir vor: Du gehst in eine öffentliche Sauna, schön entspannt, und da sitzt jemand mit so einem riesigen Filzhut. Sieht aus wie ein Schlumpf. Oder wie jemand, der sich auf dem Weg zur Mittelalter-Convention verlaufen hat. Ich dachte immer: "Nie im Leben setze ich mir so ein Teil auf."

🙋♂️ Meine anfängliche Meinung:

Und dann kam noch die Logik dazu: Ein Filzhut auf dem Kopf? In der Sauna? Wo es eh schon heiß ist? Das muss doch die Luft stauen! Der Kopf sollte doch gekühlt werden, nicht noch mehr eingepackt werden wie ein Paket. Ergibt doch keinen Sinn, oder?

Also bin ich jahrelang "oben ohne" in die Sauna gegangen. Hat doch immer geklappt. Bis... ja, bis mir auffiel, dass da ein Problem war, das ich die ganze Zeit ignoriert hatte.

Ein Mann schwitzt stark in der Sauna, trägt einen Filzhut und wirkt dabei entspannt und kühl am Kopf.

Der Kopf macht dicht, während der Körper noch könnte.

Kennst du das? Du sitzt beim Aufguss, dein Körper fühlt sich eigentlich gut an, du könntest noch weitermachen – aber dein Kopf schreit "RAUS HIER!". Roter Kopf, leichtes Pochen an den Schläfen, und die Ohrläppchen? Die brennen wie Feuer, besonders beim heißen Aufguss mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Ich habe das lange hingenommen. "Gehört halt dazu", dachte ich. "Manche können's ab, manche nicht." Aber irgendwann nervte es mich. Mein Körper wollte noch 3-4 Minuten weiterschwitzen, aber mein Kopf zwang mich raus. Immer wieder.

Dann sah ich in einem Sauna-Forum eine Diskussion über Saunahüte. Manche Leute schworen drauf. Andere – wie ich – hielten es für Quatsch. Ein User schrieb: "Probier's einfach mal aus, bevor du urteilst." Und ein anderer erwähnte, dass manche Leute sich sogar einen Schneeball aus dem Eisbrunnen formen und sich den auf den Kopf legen.

Schneeball auf dem Kopf? Okay, das war mir dann doch zu hardcore. Aber einen günstigen Filzhut kaufen und testen? Das konnte ich machen.

Thermoskannen-Effekt: Wie der Filz physikalisch wirkt

Also habe ich mir einen einfachen Saunahut aus 100% Wolle/Filz bestellt. Nichts Teures, so um die 15-20€. Kam an, sah genauso albern aus, wie ich befürchtet hatte. Aber hey, ich hatte ihn ja schon gekauft – also ab damit in die Sauna.

Erster Gedanke beim Aufsetzen: "Ich seh aus wie ein Idiot."

Zweiter Gedanke nach 5 Minuten: "Moment... warum ist mein Kopf nicht heiß?"

🔥 Mein Härtetest:

Der erste richtige Test war ein Eukalyptus-Aufguss bei 85°C. Normalerweise hätte ich nach 8 Minuten rausgehen müssen – roter Kopf, Ohren brennen, das volle Programm. Mit dem Hut? Ich saß 12 Minuten. Ohne Probleme. Mein Kopf fühlte sich... normal an. Nicht kühl, aber auch nicht kochend heiß. Als hätte ich eine unsichtbare Schutzschicht drum rum.

Was passiert da physikalisch?

Ich bin kein Physiker, aber ich hab nachgelesen und es macht total Sinn: Filz bzw. Wolle ist ein extrem schlechter Wärmeleiter. Das bedeutet: Die Hitze von außen (heiße Luft, heißer Dampf) kommt nicht so leicht durch den Filz an deinen Kopf ran.

Stell dir eine Thermoskanne vor: Die hält deinen Kaffee warm, weil sie die Temperatur von außen isoliert. Der Saunahut macht das Gleiche – nur andersrum. Er isoliert deinen Kopf vor der extremen Hitze von außen.

Aber staut sich da nicht die Luft?

Das dachte ich auch! Aber nein. Filz ist luftdurchlässig genug, dass dein Kopf atmen kann, gleichzeitig aber dicht genug, um die Hitze abzuhalten. Es ist nicht so, als würdest du eine Plastiktüte aufsetzen – es ist eher wie ein Schutzschild.

💡 Was ich in den Foren gelernt habe:

Viele erfahrene Saunierer schwören auf Filz oder Wolle – und zwar aus gutem Grund:

  • Filz (100% Wolle): Beste Isolierung, langlebig, kann Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich nass anzufühlen
  • Baumwolle: Günstiger, aber weniger isolierend – für mildere Saunabesuche okay
  • Manche nutzen gefaltete Handtücher: Funktioniert auch, sieht aber noch alberner aus als ein Hut
  • Der "Schneeball-Trick": Einige hardcore Saunierer formen sich einen Eisball aus dem Eisbrunnen und legen den auf den Kopf unter ein Handtuch – extreme Kühlung, aber unpraktisch

Zusatznutzen, den ich nicht erwartet hatte: Haare!

Nach ein paar Wochen mit Saunahut fiel mir was auf: Meine Haare fühlten sich weniger strohig an. Klingt komisch, aber die extreme Hitze und Feuchtigkeit beim Aufguss schädigen das Haar. Der Filzhut schützt davor.

Und jetzt mal ehrlich – besonders für Frauen ist das ein echter Vorteil. Viele Frauen geben 200€ oder mehr beim Friseur aus für Färbung, Pflege, Treatments. Und dann gehen sie in die Sauna und lassen ihre Haare bei 90°C und extremer Luftfeuchtigkeit durchrösten? Das macht doch keinen Sinn!

Mit dem Hut sind die Haare geschützt. Weniger Hitzeschäden, weniger Trockenheit. Besonders bei gefärbten oder chemisch behandelten Haaren macht das einen riesen Unterschied.

„Der Saunahut ist wie ein Airbag für deinen Kopf – du denkst, du brauchst ihn nicht, bis du ihn mal brauchst."

Mein Fazit nach 4 Wochen: Nie mehr "oben ohne"

Ich gebe es zu: Ich lag falsch. Komplett falsch. Der Saunahut ist kein albernes Gimmick – er ist ein echter Gamechanger.

Was hat sich konkret verändert?

  • 3-4 Minuten länger beim Aufguss: Mein Körper schwitzt ordentlich, aber mein Kopf macht nicht mehr vorher schlapp
  • Kein roter Kopf mehr: Früher bin ich immer knallrot aus der Sauna gekommen – jetzt sehe ich normal aus
  • Keine brennenden Ohren: Das war immer das Schlimmste beim heißen Aufguss – jetzt Geschichte
  • Bessere Haare: Weniger strohig, weniger Hitzeschäden
  • Mehr Entspannung: Weil ich nicht ständig denke "Wann muss ich raus?", kann ich die Sauna mehr genießen
🙋♂️ Meine ehrliche Meinung heute:

Ja, ich sehe aus wie ein Gartenzwerg. Ja, manche Leute gucken komisch. Und weißt du was? Es ist mir komplett egal. Der Komfort gewinnt. Ich kann länger sitzen, ich entspanne besser, mein Kopf fühlt sich nicht mehr an wie ein Wasserkocher. Das ist es mir wert.

Für wen ist ein Saunahut sinnvoll?

  • Wenn dein Kopf immer als erstes "dichtmacht": Roter Kopf, Pochen, brennende Ohren – der Hut hilft
  • Bei intensiven Aufgüssen: Je heißer und feuchter, desto mehr bringt der Hut
  • Für Frauen mit teurer Frisur: Schutz vor Hitzeschäden, besonders bei gefärbten Haaren
  • Wenn du länger sitzen bleiben willst: Der Hut kauft dir Zeit
  • Bei empfindlicher Kopfhaut: Schützt vor direktem Dampf

Wann brauchst du keinen Saunahut?

  • Wenn dein Kopf die Hitze gut verträgt und du keine Probleme hast
  • Bei milden Saunagängen unter 70°C ohne intensive Aufgüsse
  • Wenn dir das Aussehen wichtiger ist als der Komfort (fair enough)

Meine Empfehlung für den Einstieg:

Kauf dir einen günstigen Filzhut aus 100% Wolle für 15-25€. Muss nicht fancy sein, muss nicht Designer-Qualität haben. Hauptsache Filz, Hauptsache er passt. Probier's bei deinem nächsten intensiven Aufguss aus.

Wenn du nach 10 Minuten merkst, dass dein Kopf nicht mehr brennt und du entspannter sitzt, behältst du ihn. Wenn nicht, hast du 20€ und einen Versuch investiert. No big deal.

🔥 Mein Pro-Tipp:

Ich habe als Erfinder der Saunadrops und durch hunderte von Aufgüssen eine klare Routine entwickelt: Hut auf, Lavendel-Aufguss, 12 Minuten durchziehen. Ohne Hut schaffe ich maximal 8-9 Minuten. Das sind 3-4 Minuten mehr Tiefenentspannung und intensiveres Schwitzen. Die Investition von 20€ hat sich nach dem ersten Saunagang amortisiert.

„Manchmal muss man seine Vorurteile über Bord werfen – und einen Filzhut aufsetzen."

Mein Fazit: Der Saunahut bleibt. Für immer. Ich gehe nie wieder ohne in einen intensiven Aufguss. Die Blicke der anderen sind mir egal – mein Kopf dankt es mir, meine Haare danken es mir, und meine Entspannung ist auf einem anderen Level.

Probier's aus. Vielleicht ändert es deine Sauna-Routine genauso wie bei mir.

Schäm dich nicht, denk an Dich und nicht was die anderen Denken.

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